18.11.2006 Dresdner Nachrichten
Etwas Rotes und etwas Unheimliches
„Eggs&Sausage“: Claus Dethleff singt Balladen
von Tom Waits und erzählt ihre Geschichten
Es sei eigentlich alles Schicksal gewesen, meint Claus Dethleff, der seit einem Jahr erfolgreich mit seinem Programm „Eggs&Sausage“ durch Deutschland tourt: Die durchgeknallte Freundin, die neben einer Müllkippe wohnte, die Kleinanzeige, die er aufgab und die etwas dubiose Homepage, auf welcher er die alten Fotos von Alice fand.

Claus Dethleff schlüpft am Abend in viele Rollen,
ohne das eigene Gesicht zu verlieren. Bild: PR
Von Radostina Velitchkova
Lampenfieber habe er nicht, ein bisschen nervös sei er dennoch, weil
er endlich hier in Dresden, seiner Wahlheimatstadt, ist. Am vergangenen Mittwoch
und Donnerstag, den 9. und 10. November, war er im Gewölbekeller vom
riesa efau zu erleben, nachdem er 20 deutsche Städte hinter sich gebracht
hat. „Ich bin so glücklich, endlich Tom Waits live zu hören“
– habe ihm einmal eine Zuschauerin gesagt. „Das war das schönste
Kompliment, das ich bekommen habe“, erinnert sich Claus Dethleff.
Eigentlich ist er Architekt und kein ausgebildeter Künstler. Bühnenerfahrung
hat er trotzdem. Bis 1999 war er jahrelang mit seinem Rock-Kabarett unterwegs.
Irgendwann habe er aber „die Schnauze voll“ gehabt: „Davon
ständig lustig sein zu müssen und so selten zu Hause zu bleiben.“
Fünf Jahre hat er pausiert. Dann aber habe es ihn wieder gepackt –
das Tournee-Fieber.
„Dieses Mal wollte ich den Akzent auf die Musik legen“, so Dethleff.
„Es gibt Songs, die einen verändern können“. So ist
es ihm ergangen als er zum ersten Mal Lieder von Tom Waits hörte. „Das
muss ich auch können“ habe er sich gedacht. Damals – vor
20 Jahre – hatte er eine durchgeknallte Freundin, die neben einer Müllkippe
wohnte. So habe er sich eines Tages neben die Müllkippe gesetzt und angefangen
zu üben. „Die typische kratzige Stimme von Tom Waits habe ich nicht“,
schmunzelt der 48-Jährige. „Ich musste sie mir antrainieren“
Zwanzig Jahre später tourt er durch Deutschland. Glaubwürdig und
mit einem Augenzwinkern mimt er gut zwei Stunden den kauzigen Romantiker.
„Nachmachen, nein, Tom Waits kann und darf man nicht nachmachen.“
Er versuche vielmehr seine Musik erlebbar zu machen. Vor allem ihre lyrische
Seite. „Die meisten Texte in meinem Programm sind verträumt und
wehmütig“, schwärmt Dethleff. So zum Beispiel dieser von den
„rain dogs“, die nach dem Regen den Weg nach Hause nicht mehr
finden.
Ein Jahr hat Claus Dethleff recherchiert, um seinem Publikum mehr zu bieten
als nur ein Konzert. Zwischen den Liedern erzählt er die Geschichten,
die zu den Songs gehören. Nicht alle davon sind traurig. „Wenn
man einen Betrunkenen aus der Kneipe begleitet und ihn dabei am Kragen packt
– das ist "spanish walking’“ erklärt Dethleff.
Paar Sauflieder hat er im Programm und eine obligatorische Flasche Schnaps,
die er gemeinsam mit dem Publikum austrinkt. Diese intime „Kneipenatmosphäre“
und die Abwechslung von Rhythmik und Lyrik machen den außergewöhnlichen
Charme des Programms aus. Ebenfalls das Zusammenspiel zwischen Dethleff und
seinem Pianisten Markus Zimmermann. „Das ich einen so tollen Pianisten
gefunden habe – das war Schicksal“, glaubt Dethleff. „Ich
habe eine Anzeige aufgegeben und Markus ist der einzige gewesen, der sich
gemeldet hat.“
Die Auswahl der 24 Songs ist wohlüberlegt. Genau so wie Dethleffs Bühnenpräsenz
und die dazugehörigen Kulissen. „Etwas Rotes solltest du auf jeden
Fall mal anhaben“, hat ihm seine Freundin, die Bühnenbildnerin
ist, geraten. Das Gemälde von Edward Hoppers „Nighthawks“
hat ebenfalls sie nachgemalt. „Es war wichtig dieses Bild in die Kulisse
zu integrieren, weil es Tom Waits zum Titelsong des Programms "Eggs&Sausage’
inspiriert hat“, erklärt Dethleff.
Unheimlich wird es, wenn er das Gemälde – Tafel für Tafel
– wendet. Zu sehen sind die Originalfotos von Alice, ein kleines Mädchen,
das Lewis Carroll, der Autor von „Alice im Wunderland“ so gerne
fotografiert hat. Da seine Leidenschaft für die Zehnjährige den
Eltern nicht geheuer war, hat er ihre Bilder zerstört. Dethleff hat trotzdem
einige gefunden, wo genau verrät er nicht. Schicksal war es aber allemal.
Näheres
zum Programm unter:
www.eggs-and-sausage.de